13. Aktion und Reaktion

 

     Kiwi hatte ihre Dominosteine auf dem kleinen runden Holztisch ausgeschüttet und begonnen, sie auf der schmalen Fläche aufrecht im Kreis aufzustellen.

     „Kiwi übt sich gerade als Baumeisterin“, neckte sie Pluster.  „Was baust du denn da?“

     „In Mats neuem Buch ist ein Steinkreis abgebildet, der sieht so ähnlich aus.“

     „Ich habe schon viele Steinkreise von oben besichtigt“, berichtete Pluster. „Aber du meinst sicher Stonehenge im Süden Englands. Das ist  eine uralte Kultstätte. Seinerzeit waren Naturgesetze bekannt, von denen viele  Menschen heute überhaupt nichts ahnen. Aber das ändert nichts an ihrer Wirksamkeit.“

     Kiwi hatte inzwischen den Ring aus Dominosteinen fast geschlossen. „Was für ein  Naturgesetz denn zum Beispiel?“, fragte sie interessiert.

     „Lass den letzten Dominostein weg und stell dir vor, die Steine wären ganz groß oder aber du ganz klein und du würdest in die Lücke treten. Einem Stein neben dir würdest du nun einen Stoß versetzen. Was, denkst du, würde dann passieren?“

     „Das ist doch ganz klar“, sagte Kiwi, „der Stein, den ich angestoßen habe, würde den Stein neben ihm treffen, der den nächsten und immer so weiter, bis alle umgefallen wären.“

     „Richtig! Aber eines hast du vergessen: Du stehst noch immer in der Lücke. Was passiert mit dir?“

     „Wenn ich nicht rechtzeitig weggehe, werde ich getroffen.“

     „Und wer hätte das verursacht?“

     „Ich selbst, weil ich den Anstoß gegeben habe.“

     Kiwi versetzte einem der Dominosteine einen Stoß und freute sich über die Kettenreaktion des Umfallens.

     „Soeben hast du das Gesetz von Ursache und Wirkung oder Aktion und Reaktion erlebt. Viele heutige Menschen kennen es nicht, sonst würden sie sich schon im Eigeninteresse anders verhalten.“

     „Und einfach auszuweichen scheint im wahren Leben überhaupt nicht zu funktionieren“, stellte Kiwi fest.

 

 

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