7. Bandbreite

 

     Angelehnt an den rauen Stamm der großen alten Weide, deren Krone in Schräglage das Wasser des kleinen Bachlaufs überragte, hockte Kiwi im Gras.

     „Was siehst du hier, Pluster, hier um mich herum...?“ Kiwis Hand beschrieb einen Kreis.

     „Hohes, saftiges, grünes Gras und einige bunte Wiesenblumen“, entgegnete die Wolke.

     „Sonst gar nichts?“ Kiwi wirkte enttäuscht.

     Pluster lachte. „Ich wollte dich doch nur ärgern! Ich weiß, was du meinst! Natürlich sehe ich all die Wichtel im Gras um dich und die Weide herum.“

     „Mats sagt, es gibt gar keine Wichtel, nur in Kinderbüchern und in meiner Fantasie. Dabei spiele ich doch oft mit ihnen! Und Mats glaubt auch nicht, dass im Mühlteich ein Wassermann wohnt und dass kleine Feen die Blumen umschwirren und dass die Luftgeister gern Figuren aus euch Wolken formen“, sprudelte es aus Kiwi hervor.

      „Die Bandbreite der Wahrnehmungen ist bei Menschen eben unterschiedlich“,  erklärte Pluster. „Das ist so ähnlich wie bei euren Fernseh- oder Rundfunkgeräten. Eure Geräte präsentieren euch immer nur das Programm, dessen Frequenz ihr eingestellt habt. Alle anderen Programme sind gleichzeitig auch vorhanden, aber ihr könnt sie nicht sehen oder hören, weil ihr eben auf diese eine eingestellte Frequenz fixiert seid."

     „Was bedeutet Frequenz?“, fragte Kiwi.

     „Frequenz bedeutet die Schwingungszahl von Wellen pro Sekunde. Das klingt viel komplizierter als es eigentlich ist. Energie fließt wellenförmig, und es gibt große Bereiche, die menschlichen Sinnen nicht zugänglich sind, während zum Beispiel Tiere sie wahrnehmen. Die Sinne der meisten Tiere sind viel schärfer als die menschlichen. Wichtig ist zu wissen: Ob ein Mensch etwas wahrnimmt oder nicht, sagt rein gar nichts darüber aus, ob dasjenige existiert oder nicht.“

     Kiwi sah sehr zufrieden aus. „Mats sollte an seiner Bandbreite arbeiten“, stellte sie fest.

 

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