1. Die Ohren des Herzens

 

      „Hallo, kleines Mädchen!“

     Kiwi hob den Kopf. Am blauen Himmel über ihr schwebte eine einzige dicke aufgeplusterte weiße Wolke. Hier  hinten im großen naturbelassenen Garten war sie ganz allein; wer also hatte zu ihr gesprochen?

     „Ich sehe, du hast mich gehört!“

    Wieder blickte Kiwi nach oben. „Natürlich habe ich dich gehört; ich bin doch  nicht taub! Aber wieso können Wolken sprechen?“

    „Alles auf der Welt spricht, alles hat Klang und Stimme und alles hat seine eigene Sprache. Das Sprechen ist nicht das Problem. Das Problem ist das Hören und Verstehen. Dafür braucht man andere als die herkömmlichen zwei Ohren. Verstehst du?“

    Kiwi nickte. „ Ich heiße Kiwi“, stellte sie sich vor. „Und wie heißt du?“

    „Pluster.“

    „Pluster?“, kicherte Kiwi. „Wie cool!“ Sie zog die Stirn kraus und überlegte. „Wie hast du mich überhaupt gefunden?“, fragte sie.

    „Das weiß der Wind“, antwortete Pluster.

 

   Beim Abendbrot berichtete Kiwi: „Heute nachmittag habe ich mich hinten im Garten mit einer dicken weißen Wolke unterhalten; sie heißt Pluster.“

    Mats, ihr etwas älterer Bruder, der bereits zur Schule ging, wollte sich vor Lachen ausschütten. „Welche Sprache sprechen denn Wolken?“, fragte er amüsiert. „Hat sie deutsch gesprochen – oder vielleicht englisch oder französisch? Wolken kommen ja viel herum. Aber wahrscheinlich sprechen sie einfach die Wolkensprache.“

     Kiwi nickte energisch. „Genau! Und die kann man nur mit den Ohren des Herzens hören!“

 

 

 

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