10. Raum

 

     Kiwi saß am kleinen verwitterten Holztisch hinten im Garten und ordnete ihre Buntstifte. Der Zeichenblock vor ihr war noch leer.

     „Hier wird der Grundstein für ein Kunstwerk gelegt“, kommentierte Pluster, „und ich werde Zeuge seiner Entstehung sein.“

     „Sei nicht so frech, Pluster!“, wies Kiwi die Wolke zurecht.

     „Was willst du denn zeichnen?“, beschwichtigte Pluster.

    „Das überlege ich noch.“

    „Soll ich lieber später wieder vorbeikommen?“, fragte Pluster. „Manche Menschen mögen nicht, wenn man ihnen beim Zeichnen über die Schulter schaut.“

     „Das ist nicht das Problem“, entgegnete Kiwi.

     „Sondern?“

     „Eigentlich mag ich lieber das hier.“ Kiwi zeigte auf das noch weiße Blatt auf dem Tisch.

     „Das leere weiße Blatt? Bestimmt deshalb, weil es dieselbe Farbe hat wie ich“, neckte sie Pluster.

    „Du bist aber eingebildet!“, mokierte sich Kiwi.

    „Warum dann?“, fragte Pluster. „Vielleicht weil die Summe aller Farben reines Weiß ergibt?“

     „Nein, weil leere Blätter in Wirklichkeit gar nicht leer sind, sondern schon voller Gedanken und Ideen, was ich darauf malen oder schreiben könnte“, erklärte Kiwi.

     „Du liebst also den leeren Raum“,  stellte Pluster fest.

     „Raum ist niemals leer“, antwortete Kiwi.

 

 

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