15. Ungeschriebene Briefe

 

      Kiwi holte tief Luft und blies. Der Strom ihres Atems trug die vielen kleinen silbernen Schirmchen der Pusteblume davon.

     „Kiwi forscht.“, stellte Pluster amüsiert fest.

     „Jawohl!“, bestätigte Kiwi.

     „Mit den Samen der Pusteblume ist es so ähnlich wie mit euren Gedanken, Ideen und Worten. Sie bleiben nicht bei euch, sondern gehen in die Welt hinaus. Manche von ihnen fallen auf fruchtbaren Boden und keimen gleich, andere werden weitergeweht und wurzeln später, manche erst nach ganz langer Zeit, manche nie. Gelten deine Gedanken einem Menschen oder Tier, so kommen sie auf jeden Fall bei ihm an.“

     Kiwi runzelte die Stirn.

     „Ich werde es dir erklären“, sagte Pluster. „Denken und Fühlen sind schöpferische energetische Vorgänge. Dabei werden Gebilde aus feinstofflicher Materie erzeugt. Das klingt viel  komplizierter als es in Wirklichkeit ist. Stell dir vor, du hast einen freundlichen Gedanken. Dieser Gedanke hüllt sich, weil er positiv ist, in ein Kleid aus lichter feinstofflicher Materie und bewirkt Gutes in der Welt. Einen solchen Gedanken kannst du einem Menschen oder einem Tier zusenden; das ist dann sozusagen ein ungeschriebener Brief.“

     „Und mit bösen Gedanken ist es genauso?“, fragte Kiwi.

     „Natürlich! Böse Gedanken tragen ganz düstere Kleider und bewirken immer nur Negatives. Und derjenige, der sie erzeugt, ist für sie verantwortlich, denn Gedanken sind hochgradig ansteckend und verbreiten sich! Und nach dem Gesetz von Ursache und Wirkung kehren sie zu ihrem Urheber mit derselben Qualität zurück!“

     Kiwi grübelte. „Wenn ich an dich oder einen Menschen oder ein Tier denke, sagtest du, dann kommen meine Gedankenbriefe immer an?“

     „Aber sicher!"

    „Ich werde im Leben viel Briefpapier sparen“, erklärte Kiwi.

 

 

 

 

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